Kommentar von Matthias Koch
Immer wieder liegt Putin daneben
Erst wollte Putin binnen weniger Tage Kiew einnehmen. Russische Offiziere hatten schon Ende Februar gebügelte Galauniformen in ihren Fahrzeugen dabei, für die baldige Siegesparade in der ukrainischen Hauptstadt. Daraus wurde bekanntlich nichts. Dann, Monate später, warnte Moskau den Westen vor den angeblich furchtbaren Konsequenzen einer Norderweiterung der Nato. Finnland aber trat in diesem Jahr dem Bündnis bei – und fühlt sich seither sicherer denn je.
Und nun? Inzwischen ruht Putins zentrale strategische Hoffnung auf einer bald nachlassenden Hilfsbereitschaft des Westens für die Ukraine. Die freien Gesellschaften, glaubt Putin, seien viel zu egoistisch und zu materialistisch, um mit Blick auf die Ukraine nicht am Ende doch den Verlockungen des süßen Nichtstuns nachzugeben.
Doch auch in diesem Punkt liegt der Kremlherr daneben. Das liegt an seinem düsteren Weltbild. Schon die massenhafte humanitäre Hilfsbereitschaft des Westens hatte er nicht auf dem Zettel. Dann unterschätzte er den militärischen Wehrwillen der Nato. Völlig verkannt hat er auch, dass ausgerechnet die einst pazifistischen Grünen in Deutschland zu seinen ärgsten Widersachern erwachsen würden – nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer idealistischen Grundeinstellung.
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